Walter Hackert (1909-2007)

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Walter Hackert 1934 an seinem Schreibtisch auf dem Gut Klein Vielen. Quelle: Christiane Witzke

Noch immer im kollektiven Dorfgedächtnis verankert ist der legendäre Förster Walter Hackert.
Walter Hackert erblickte am 13.8.1909 in dem heute verschwundenen Ort Katzenhagen bei Neetzka als Sohn des Bahnwärters Paul Hackert und seiner Frau Elise das Licht der Welt. Kurze Zeit später zogen die Eltern nach Grischow. Dort wurde 1911 Walters Bruder Fritz geboren.
Walter besuchte in Weitendorf, Goddin und zuletzt in Chemnitz die Dorfschule. Nach Abschluss der Schule in Chemnitz 1924 arbeitete er von Mai bis November desselben Jahres in der Klinggräfschen Forstverwaltung Pinnow.
Am 1. Dezember 1924 begann er eine dreijährige Forst- und Jagdausbildung in der Gräflich Schwerinschen Forstverwaltung Peenwerder-Zettemin. Anschließend besuchte er von Oktober 1927 bis August 1928 die private Forstschule in Miltenberg am Main mit Abschluss als Forstgehilfe. Bis Oktober 1931 arbeitete er bei verschiedenen Forstverwaltungen, zuletzt bei der Forstverwaltung Plattenburg bei Bad Wilsnack. Aufgrund der allgemein schlechten Wirtschaftslage wurde ihm dort gekündigt.
Durch einen Zufall bekam er im Januar 1932 eine Anstellung als Förster auf dem Gut Klein Vielen. Christiane Witzke, Tochter von Walter Hackert, schildert, wie es dazu kam: „Eigentümer des Gutes war zu der Zeit Richard Freiherr von Kap-herr. Er lebte in Dresden und hatte vor Ort Gerd von Tresckow (1889-1944) als Verwalter eingesetzt. Er war der ältere Bruder des Generalmajors Henning von Tresckow, der am Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt war. Fritz Hackert hatte wie sein Bruder die Forstlaufbahn eingeschlagen und war 1931 befristet für vier Wochen für einen großen Holzeinschlag in der Gutsverwaltung Klein Vielen eingesetzt. Als der dortige Förster Arndt eine Anstellung in Hannover bei der Heeresforst annahm, wollte er Fritz Hackert seine frei werdende Stelle anbieten. Da er aber dessen Adresse nicht wusste, schrieb er einen Brief an die Eltern. Die gaben ihn an ihren arbeitslosen Sohn Walter weiter, da Sohn Fritz inzwischen woanders gut in Lohn und Brot stand. Unser Vater bewarb sich um den Arbeitsplatz und bekam ihn. Gerd von Tresckow war es egal, welcher Hackert den freien Posten einnahm. Er brauchte auf jeden Fall einen tüchtigen Förster. Mit Gerd von Tresckow, seinem unmittelbaren Vorgesetzten, arbeitete er von da an eng zusammen.
Unser Vater war nicht nur Förster, sondern auch Gutssekretär. Noch sehr jung, im Alter von 22 Jahren, trug er bereits Verantwortung für das 800 ha große Gut und die 604 Morgen große Forst. Er kümmerte sich insbesondere um die umfangreichen Wiederaufforstungen von Kahlschlägen, die Unterhaltung des Pflanzgartens sowie den Holzverkauf und übte die Jagdaufsicht aus. Er war aber nicht nur für den Wald und die Jagd zuständig. Aufgrund von Einsparmaßnahmen wurde ihm wenige Monate nach Dienstantritt die gesamte Buchhaltung des Gutes einschließlich Lohnrechnung, Kassenwesen und Korrespondenz übertragen. Vom 6. bis 9. Juli 1936 legte er in Ratzeburg erfolgreich die Revierförsterprüfung ab“ (Witzke 2009: 135 f.).
Mit dem Verkauf des Gutes an den Landwirt Herbert Bennecke verlor Walter Hackert im Frühjahr 1939 diese Stelle, weil Bennecke eigenes Personal mitbrachte.
Hackert leistete dann vom 15.5.1939 an Militärdienst und vom 1.9.1939 bis 8.5.1945 Kriegsdienst. Nach Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft im Juli 1948 konnte er wegen seiner ehemaligen Zugehörigkeit zur NSDAP (er trat im Sommer 1937 ein) zunächst nicht im Staatsdienst arbeiten.
Ab 1.9.1948 arbeitete er als Waldarbeiter und Taxator für das Forstamt Neustrelitz, später als Bauernförster bei der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB). Dort war er für die forstliche Betreuung von Bauernwäldern zuständig, und mehr als ein Jahr lang wurde er auch als kommissarischer Kreisforstamtsleiter für die Kreise Neustrelitz und Neubrandenburg eingesetzt. Als Bauernförster kam er auch wieder mit Klein Vielen in Berührung. In Klein Vielen und dem Nachbardorf Peckatel hatte er, ein leidenschaftlicher Imker, auch einen Bienenstand.
1958 wurde Walter Hackert vom Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Neustrelitz übernommen und betreute unter anderem das Rosenholz bei Hohenzieritz und das Revier Carlshof.
Während seiner Zeit als Bauernförster begegnete er dem damaligen Kreisbeauftragten für Naturschutz, Walter Gotsmann, der ihn, den Forstfachmann, für die Naturschutzarbeit gewinnen konnte. Hackert unterstützte Gotsmann bei zahlreichen Exkursionen mit anderen Natur- und Heimatfreunden. Besonders verpflichtet fühlte er sich dem Schutz der Naturdenkmale und dem Schutz bedrohter Großvögel. So betreute er den Seeadlerhorst im Zippelower Holz.
1964 wurde Walter Hackert aufgrund seiner besonderen Leistungen zum Forstingenieur ernannt und 1983 wurde ihm die Dienstbezeichnung »Oberförster« verliehen. 1984 erhielt er für 60-jährige treue Mitarbeit in der Forstwirtschaft die »Silberne Axt«. Noch bis 1989 war er für den Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Neustrelitz tätig.
Von 1966 bis 1996 fungierte er neben seinem Beruf als Revierförster beim Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb als Stadtförster von Neustrelitz, und anlässlich seines 70-jährigen Dienstjubiläums im Dezember 1994 wurde ihm von der Stadt – als Erstem überhaupt – die »Goldene Rathausmedaille« verliehen.
Am 13.10.2007 wurde ihm zu Ehren in einem seiner alten Reviere, dem Wald am Rande des heutigen Naturschutzgebietes Klein Vielener See, eine mächtige Eiche als »Walter-Hackert-Eiche« gewidmet.

Literatur
Witzke, C. 2007: Unserem Vater Walter Hackert (1909-2007) zum 100. Geburtstag. Ein Rückblick auf seinen Lebensweg. Neue Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs 7: S. 131-142.
Borrmann, K. 2008: Unser Förster Walter Hackert. In memoriam. Neue Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs 6: S. 142-144.