Die Kapelle in Klein Vielen und die Familie Jahn

Der Name Jahn trat 1815 in die Geschichte
Klein Vielens ein.

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Die Jahn-Kapelle 2016 (links) und auf einem Gemälde von Ludwig Streitenfeld (1921)

Am 6. Oktober 1815 erhielt Rudolph Jahn, ehemals „königlich westphälischer Prokurator, Erb- und Gerichtsherr“ und aus der Prignitz stammend, von Friedrich Franz I., „Großherzog von Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf von Schwerin“, den Lehnbrief für das Gut Klein Vielen. Jahn hatte es am 13. April 1815 gekauft.
Rudolph Jahn heiratete Maria Dorothea Brunow, mit der er drei Kinder hatte, Tochter Ida Carolina, Eduard Rudolph, der am 6.3.1816 geboren wurde, und einen zweiten Sohn namens Hermann.
Am 17.9.1835 übernahm Eduard Rudolph Jahn als 19-jähriger die Bewirtschaftung des Gutes Klein Vielen. Er heiratete am 22.5.1838 Johanna Theodora Friederike Kortüm, die am 5.11.1817 in Waren/Müritz geboren wurde und deren Familie in Neustrelitz wohnhaft war. Ihre Eltern waren der Medizinalrat Wilhelm Theodor Siegfried Kortüm (785–1858) und Johanna Maria Elisabeth (geb. Müller). Diese war eine Tochter des Penzliner Pastors Ludwig Müller (1754–1816) und dessen Frau Anna Regina, geb. Pfuhl (geb. 1767), die Tochter eines Apothekers in Penzlin war.
Sein Bruder Hermann Jahn verheiratete sich am 3.4.1844 in der Kirche zu Peckatel mit Charlotte Luise Auguste Hahn. 1835 wird er als „Erb- und Gerichtsherr“ von Langhagen genannt, bei Schlie (1902) als Gutsbesitzer mit Rechten in Liepen.
Eduard Jahn verlor seine Frau sehr früh. Sie starb am 18.7.1850 in Klein Vielen nach der (Tot-) Geburt ihres achten Kindes Sophia Theodore Albertine (geb. 14.7.1850, gest. 14.7.1850). Zuvor hatte sie einen Sohn und sieben Töchter geboren: Maria Anna Theodora Hermine Luise (geb. 20.8.1840), Ida Sophia Anna Hermine (geb. 30.8.1841), Emma Friederike Auguste (geb. 6.8.1843), Ida Friederike Wilhelmine Auguste (geb. 1.10.1844), Rudolph Theodor Hermann Carl (geb. 14.1.1846), Olga Friederike Auguste Caroline (geb. 11.1.1847), Luise Anna Pauline (geb. 27.8.1849) und Sophia Theodore Albertine (geb. 14.7.1850, gest. 14.7.1850).
Sophia starb also während ihrer Geburt oder war eine Totgeburt und Johannas Sterbedatum, der 18. Juli 1850, deutet darauf hin, dass ihr achtes Kind ihr im Kindbett selbst den Tod brachte.
Zu Ehren seiner verstorbenen Frau und seines Kindes ließ Eduard auf dem Klingenberg nahe dem Gutspark eine Begräbniskapelle errichten, deren Architekt mit aller Wahrscheinlichkeit der Hofbaumeister im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, Friedrich Wilhelm Buttel, war (siehe das Foto aus dem Jahr 2016 und daneben den Ausschnitt aus einem Gemälde von dem ehemaligen Hofmaler im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz Ludwig Streitenfeld, 1921).
Eduard Jahn heiratete bald wieder. Seine zweite Ehefrau Emma Ida Amalia war eine geborene Klooß und mit ihr hatte er vier weitere Kinder: Martha Luise Johanna Maria (geb. 19.7.1855), Hermann Eduard (geb. 13.8.1857), Fernanda Ulla Anna Maria (geb. 10.1.1861) und Friedrich Ludwig (geb. 7.2.1866).
Bis 1880 blieb Eduard Jahn Eigentümer des Gutes Klein Vielen. Da keiner seiner Söhne das Gut übernehmen wollte, verkaufte er es am 6. September des Jahres an einen Freiherrn Carl Johann von Kap-herr. Eduard Jahn verzog nach Rostock und starb dort am 19.8.1890. In Rostock lebten möglicherweise Kinder von ihm, in jedem Fall aber Verwandte seiner ersten Frau Johanna, geb. Kortüm. Ein H[ermann] Kortüm arbeitete seinerzeit in Rostock als Rechtsanwalt.

Wir würden uns freuen, wenn es gelänge, Kontakte zu Nachfahren der Familie knüpfen zu können. Ein Ururenkel eines der Söhne Eduard Jahns aus zweiter Ehe, des späteren Schriftstellers Hermann Eduard Jahn, konnte ausfindig gemacht werden. Dieser verfügt leider über keinerlei Zeugnisse aus seiner Familiengeschichte mehr, da sie im Zweiten Weltkrieg verloren gingen.

Autor und Kontaktadresse:
Prof. Dr. Hermann Behrens, Hochschule Neubrandenburg, FB Landschaftswissenschaften und Geomatik
E-Mail: behrens@hs-nb.de