Das Gutshaus Peckatel

Seit 1505 waren die Peckateler Güter im Besitz der Penzliner Linie der Familie von Maltzahn. 1629 mussten sie die Güter an verschiedene Gläubiger verpfänden. Viele Jahre später, 1795, erwarb sie Joseph von Maltzan auf Werder zurück.

gutshaus-peckatel-stich-2
Das Gutshaus in Peckatel um 1840 (Archiv G. Krull).

Zu diesem Zeitpunkt gab es in Peckatel nur ein  vergleichsweise bescheidenes Gutshaus, das nach dem Tod von Joseph von Maltzan seinem zweiten Sohn Friedrich kurzzeitig als Wohnung diente.
1805 starb Josef von Maltzan, Ferdinand erbte die Begüterung Penzlin und sein jüngerer Bruder Friedrich das Gut Peckatel mit Peutsch, Brustorf und Jennyhof. 1806 heiratete Friedrich und wohnte mindestens seitdem in Brustorf. Das Gutshaus in Brustorf hatte Ferdinand von Maltzan 1800 erbauen lassen, der selbst 10 Jahre lang Peckatel verwaltete.
Nachdem die Pächter in Peckatel während der französischen Besatzung zahlungsunfähig wurden, zog Friedrich von Maltzan mit seiner Familie für zwei Jahre wieder nach Peckatel, um die Wirtschaft wieder aufzubauen. Ein nennenswertes Baugeschehen kam nicht in Gang.  Friedrich lebte dann ab 1823 im Herrenhaus von Rothenmoor.
Sein älterer Sohn Albrecht von Maltzan hielt sich häufiger in Peckatel auf und erhielt 1850 nach Peutsch auch Peckatel, Brustorf und Jennyhof. Im Juni 1850 bezog er das Gutshaus, starb aber bereits ein Jahr später, woraufhin sein Bruder Friedrich Peckatel es erbte und bis zu seinem Tod 1872 verwaltete.

gutshaus-peckatel-1920er-1930er-archiv-g-krull
Das Gutshaus in Peckatel in den 1920er (links) und 1930er Jahren (Archiv G. Krull).

1852 heiratete Friedrich Auguste von Oertzen auf Lübbersdorf. Das Gutshaus wurde nun umgebaut und erhielt sein klassizistisch geprägtes Bild mit hohen Fenstern und einem mächtigen Dach. 1854 bezog das Ehepaar das neue Gutshaus. Ludolf von Maltzan erbte 1887 Peckatel. 1890 heiratete er Auguste Gräfin von Bernstorff. Mit ihrer Mitgift wurde das Herrenhaus erweitert und 1895 der zweigeschossige Anbau in rotem Backstein errichtet.

gutshaus-2016
Das Gutshaus in Peckatel 2016.

Ludolf versuchte sich auch in industrieller Produktion und ließ in Brustorf ein Dampfsägewerk und eine Kartoffelflockenfabrik errichten und betreiben. Diese Produktionslinie endete jedoch jäh: Weihnachten 1929 brannten beide Gebäude ab. Dies trug dazu bei, dass Ludolf von Maltzan den größten Teil seines Gutes 1934 an eine Siedlungsgesellschaft verkaufen musste. Ludolf erwarb später das Herrenhaus samt Park zurück und wohnte dort bis zu seinem Tod 1942. Die Erben verkauften das Haus und den Park an den Drahtfabrikanten Orthey aus Rostock, dessen Frau bis 1953 dort wohnte.
1960 bot sie der Gemeinde Klein Vielen das Gutshaus für 25.000 Mark zum Kauf an. Die Gemeinde lehnte mit der Begründung ab, dass sie dafür keine Verwendung und auch kein Geld habe (Protokoll der Gemeindevertreterversammlung vom 17.3.1960).
In der Folge wurde das Gutshaus weiter als Wohnhaus und der Ahnensaal des Hauses als Turnhalle genutzt. Seit 1956 befand sich im Altbau des Hauses auch eine Gaststätte. 1968 wohnten noch 11 Familien im Gutshaus.
1972 plante die Gemeinde Klein Vielen die Renovierung des Gutshauses. Die Renovierung  war schon in den Kreisbauplan aufgenommen worden, die Kosten wurden mit 500.000 Mark veranschlagt und sie zu decken, hätte einen Kredit erfordert, den die Kreissparkasse mit dem Hinweis ablehnte, das „Schloß“ sei Privateigentum.
Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 beauftragte die in Hamburg lebende Erbin einen Makler mit dem Verkauf des Hauses. 1992 erwarb es das Ehepaar Kurt und Heidi Unger, das Gutshaus und Park aufwändig restaurieren ließ.

Quellen:
Kreisarchiv Mecklenburgische Seenplatte, Regionalstelle Neustrelitz, Signatur Nr. 1592, Protokolle Gemeindevertretung Peckatel 1946-1961 und Nr. 1035, Protokolle Ratssitzungen 1965 bis 1979.
Schmidt, B. 1907: Die Erbgüter der Linie Wold-Penzlin in Mecklenburg. Geschichte des Geschlechts von Maltzan und von Maltzahn. II. Abt., I. Band. Das Mittelalter. Schleiz: 375-393.
Schmidt, B. 1926: Das Haus Peckatel. Geschichte des Geschlechts von Maltzan und von Maltzahn. II. Abt., IV. Band. Aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Schleiz: 265-278.